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	<title>brug &#187; Köstritzer</title>
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	<description>ein Blog über die Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Halle</description>
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		<title>Ahoi, Veit.</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Apr 2009 14:51:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
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Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2505" title="07-veit-for-your-right-to-party" src="http://brug-halle.de/wp-content/uploads/07-veit-for-your-right-to-party.jpg" alt="Universalkost&uuml;m" width="520" height="361" /></p>
<p>Nach dreißig Jahren als Lehrer an der Burg Giebichenstein verlagert Veit Markert nun seinen Wohnort in den rauen Norden. Auch wenn er davon nicht viel hält, wurde er zum Gespräch gebeten. Die elitären Geschichten aus dem Kreise von »Altkameraden« und »Spritzern« unter der mythischen Fahne des »Phönix« sind nun zum Teil auch für Dich verfügbar.</p>
<p><span id="more-2280"></span></p>
<h4>Die BURG –  Gegrauchsgrafik, Neuanfang, ich.</h4>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2511" title="05-ddr-gebrauchsgrafik1" src="http://brug-halle.de/wp-content/uploads/05-ddr-gebrauchsgrafik1.jpg" alt="1985" width="520" height="347" /></p>
<p>Ich saß mit einem Kumpel abends mal in der Kneipe: »Mensch Veit, die machen bei uns eine Gebrauchsgrafikklasse auf.« Da war ich so im vierten Studienjahr. Ich hatte immer schon mit mir herumgetragen, was nun nach dem Studium machen? Richtige Gebrauchsgrafik. »Wer macht denn das?« »Der Voigt.« »Ach so«. In Leipzig, richtig ideal war es da für mich nicht. Plakatklasse. Eigentlich war der Professor Wagner Künstler, da hat er uns immer ins Künstlerische abgedrängt. Malen. Grafik. Mir ist es zum Glück nicht schwer gefallen. Aber so richtig Künstler bin ich nicht. Ich muss nicht meine Gefühle künstlerisch äußern. Kann das auch sagen oder tun, das ist nicht so mein Ding. Ich habe lieber sowas handfestes. So, für das muss was sein und fertig der Kommodenlack. Wir haben ein paar mal seinen Assistenten dazu gedrängt, dann konnten wir wenigstens aus Pietät für Pneumant was machen, eine Reifenbude war das, ein Corporate Design. Da sind wir in das Kombinat gefahren, eigentlich war das abnormal, dass man sowas erbetteln muss. Es sollten freie künstlerische Plakate gemacht werden. Dann dachte ich, der Voigt, das ist schon nicht schlecht. Briefmarken und sowas, ordinärer Krempel. Gebrauchsgrafik. Das wäre schon nicht schlecht, so eine Aspirantur dort, fand ich. Ich dachte noch nicht, dass ich das machen konnte. Da war im vierten Studienjahr noch nicht abzusehen, ob es eine Eins wird, ich hatte natürlich Minderwertigkeitskomplexe. Dann hat es sich aber abgezeichnet, auch durch die Theoriearbeit in Berlin an der Fachschule, da war der einzige Werbepsychologe der DDR, der dort gelehrt hat. Es hat sich herausgedrückt, dass es alles auf Eins herauslaufen könnte. Ich habe zum meinem Kumpel gesagt, er soll mir mal die Adresse geben, dass ich zum Professor Voigt fahren kann, mal fragen, ob er mir eine Aspirantur geben könnte.</p>
<p>Ich weiß noch, wir waren bei ihm zu hause im Wohnzimmer, der Couchtisch wurde freigemacht. Mappe drauf. Die Meisterin hat Kaffee serviert. Das war schön, er meinte, ich würde dich gerne nehmen, aber ich weiß noch nicht wie es los geht. Es gab noch keinen Tisch und keinen Stuhl. Im September ging es los, ich war im Mai bei ihm.</p>
<p>1978, ja. Das hieß damals noch Aspirantur, das war, sagen wir mal, adäquat der Doktorandenzeit. Aspirant im akademischen Sinne. Das ging über drei Jahre, adäquat zu diesen Doktorantenzeiten damals. Dann haben sie es auf zwei Jahre gekürzt, auf ein Jahre gekürzt, später sogar auf ein Semester. Dann hieß es Aufbaustudium, Zusatzstudium. Bla Bla. Irgendwo immer, wie es jetzt ist: Gebrauchsgrafik, Grafikdesign, Kommunikationsdesign.</p>
<p>Weil wir keinen Doktor Kunst machen. Am Anfang waren es halt drei Jahre. Du hast dann ein etwas gehobeneres Stipendium gekriegt. 500 Mark anstatt 180 Stipendium. 500 waren in der DDR okay.</p>
<p>Ein normaler Arbeiterlohn: 800 bis 900. Natürlich gab es auch Berufe mit 600–700 Mark. Ende der ›70er Jahre war es schon so, dass du ungefähr 800 hattest.</p>
<p>Es gab, das hatte ich in Leipzig, dieses Leistungsstipendium. 30, 50, 80 Mark. Nochmal drauf auf die 180 Grundstipendium. Das ging aber nach den Zensurendurchschnitt. Damals wurde ja nicht semesterweise studiert, sondern so ähnlich wie es hier zum Teil strukturiert ist: jahresweise.</p>
<p>Am Anfang, am ersten Tag, da saßen wir in der Burg, wo jetzt die Holzschnittwerkstatt ist, in diesem Turmzimmer. Da saßen wir damals. Drei Studenten, ich und der Meister. So ging das mal los. Jeder einen Tisch, jeder eine Tischlampe zum Anschrauben, jeder einen Stuhl. Action. Hehe. Dann sind wir nach einem viertel/halben Jahr in den „Phönix“ gezogen, in diese Druckerei. Dann waren wir schon relativ lange dort, mindestens fünf Jahre. Als nächstes kam dann Frau Sitte dazu. Damals war die Schrift zentral, an der ganzen Burg, alle mussten den selben Schriftunterricht machen. Damals Professor Gnauk als Meister. Frau Heise und Frau Sitte waren seine Tanzmariechen, seine Assistentinnen. Bis zu den letzten Wehen, die du vielleicht mal gehört oder noch mitgekriegt hast vor ein paar Jahren, oder? Da hat der Alte dann, durch diese Connection durch den Willi, den er vom Verband her kannte; Professor Willi Sitte war damls der Vorsitzende des Verbands Bildender Künstler, da saß dann auch der Fiedler drinne, der war wieder Sektionsvorsitzender der Gebrauchsgrafik vom Zentralverband; alles so ein bissl Connection; dann geregelt. Wir saßen mal mit dem Voigt, haben über Gott und die Welt geredet, da meinte ich, es sei nicht in Ordnung, dass wir die selbe Schriftausbildung haben, wie die anderen Arschgeigen. Da hat er gesagt, eigentlich stimmt es schon, kann ja nicht sein. Dann haben wir das mit Gnauk geklärt, dass Frau Sitte zu uns abkommandiert wurde. Sie hat weiterhin die Assistenz gemacht, wurde uns unterstellt von der Dienststruktur und hat bei uns ein Sonderprogramm Schrift gemacht.</p>
<p>Früher war ja Schrift ohne freiwillig und tralala. Es ging bis zum vierten Studienjahr straff durch. Fertig. Arschlecken. Erste Übungen haben wir in dem damaligen Vorkurs gemacht, Erste Strichziehübungen, erste Formen. Und dann ging das richtig so: Sonderprogramm. Wir hatten dann viel mehr Schriften zu schreiben. Bis dahin … Oliver Tuche war ja der letzte der noch Sütterlin geschrieben hat mit noch so bissl Schnarch dazu. Dann kam die Frau Natus-Salamoun dazu, die Illustration gemacht hat und Trickfilm. Und in dieser Zeit kam dann auch der Fiedler dazu, der hat dann CD, CI gemacht. Das könnte so in den 80ern gewesen sein.</p>
<p>Dann der Umzug vom »Phönix« in das Kornhaus der Burg. Richtig neu alles. Neue Stühle, neue Tische. Wir hatten alle nur zusammengestubbeltes Zeug im »Phönix«, teilweise von der Druckerei übernommenes Zeug. Einen alten Tisch, den man dreimal ausziehen konnte zu einer riesigen Tafel. Diese Schlagschere, die dort draußen steht, ist noch vom »Phönix«.</p>
<h4>Die Hochschule zur Wende</h4>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2548" title="Die Hochschule zur Wende" src="http://brug-halle.de/wp-content/uploads/08-schwarz.jpg" alt="–" width="520" height="370" /></p>
<p>Der Voigt wurde dummerweise gerade in dieser Zeit 65 und die Beamten des Kultusministeriums wollten besonders geil sein. Da gab es überhaupt keinen Weg, dass er das komissarisch weitermacht, er musste sofort aufhören. 65 geworden – Arschlecken. Dann hat es der Fiedler etwa zwei Jahre kommissarisch geführt. Die Jahreszahlen sind alle jetzt … das musst du nachgucken.</p>
<p>Er hat das dann komissarisch geleitet, wollen wir es so nennen. Dann kam ja das Berufungsverfahren, über das Brade dann kam.</p>
<p>Mit dem Professor Funkat, das ist noch ganz wichtig. Nach dem Krieg war das hier nur ein Institut der Uni. Und dem Funkat haben wir es zu verdanken, eigentlich, das wir eine eigenständige Hochschule wurden. Der hatte sich in Berlin – er als Bauhausschüler – eingesetzt, da musste er aber den Deal machen, dass wir Formgestaltung aufmachen. Klingt jetzt n bissl ironisch, dass wir keine reine Kunsthochschule sind, sondern Design mitmachen. Hehe. So ungefähr war das. Und nur mit dem Deal, dass wir hier auch richtiges Design machen, haben wir den Hochschulstatus gekriegt.</p>
<p>Nach der Wende; da hatten alle ein bisschen Angst. Im Sommer war dann schon die Währungsreform, also kann man sagen das Modrow-Regime ging ein halbes Jahr. Ich war auch leicht euphorisiert: Der sogenannte dritte Weg. Das war eine Zeit, da hätte was passieren können. Aber ohne Moos nix los. Der Staat war ja pleite, was solltest du machen. Da ging es auch an der Burg los. Es sind erstmal alle Professoren notgedrungen abgeduckt. Da gibt es eine schöne Episode. Der alte Rektor, der große Dicke, den Namen habe ich jetzt nicht. Er war viele Jahre Rektor. Der wurde dann rausgedrückt. – Ach so, ja, der hieß Professor Jung.</p>
<p>Das werde ich nie vergessen. Da war eine Vollversammlung, unten wo jetzt der Kinosaal ist, alles voll nur mit Lehrpersonal, alle Professoren, wirklich eine zwingende Vollversammlung, jeder mit persönlicher Einladung. Da stand er vorn. Der Neue packte ein kleines Diktiergerät aus. Er musste sich wahrscheinlich bei der Stasi absichern, was er sagt. Er ließ das laufen und hielt eine flammende Rede, mit der Quintessenz: Wer an den Leipziger Demonstrationen teilnimmt, solle sich doch überlegen, ob es dann noch tragbar ist, dass er hier an dieser Schule ist. So unverblümt ging das los. Ich guckte dann mal nach hinten, da saßen selbst Voigt, die Altprofessoren, alle wie in der Eselsschule – ich saß da ganz vorn vorm Rednerpult – so wie wenn der Lehrer fragt, wer dazu etwas sagen möchte. Alle blickten nach unten wie: »Mir ist vielleicht doch etwas heruntergefallen.« – Haha. Oh oh. Da ist keiner aufgestanden und hat gesagt: „Was quatschst du Arschgeige?“ Angst war da schon da, wenigstens Feigheit. Jetzt ging das los. Das muss man auch wissen, das wurde auch alles verdrängt.</p>
<p>Die Wende war schon krudig hier an der Schule. Jedenfalls, was ich erzählen wollte zum Beispiel dafür. Im weißen Haus ist eine Versammlung mit dem Tenor: Das muss sich alles ändern. Die alten Zöpfe werden abgeschnitten. Der Muff wird ausgekehrt. Jetzt soll es anders sein. Dieses spießige Gezeichne und solch Zeug, alles weg, alles modern.</p>
<p>Natürlich hatte jeder Professor Angst, also haben sie alle die zweite Reihe geschickt. Die Ratten. Da saßen wir drüben, die ganzen Assistenten. Da hieß es dann, ja der Muff hier, das muss alles anders werden. Jetzt kommt das Ding: Projekte müssen gemacht werden. Projekte! Dieser Studienplan muss weg, es müssen Projekte gemacht werden. Bla, bla, bla, bla. Das ist aber schön, hab ich gesagt. Dann müssen wir nicht mehr diesen akademischen Krempel machen, nackige Männel, Kontrapost und solcher Scheiß. Das find ich wunderbar. Mein Projekt ist Hiddensee. Ich zieh da hoch und mache eine Projektgruppe nach der anderen. Haha.</p>
<h4>– und das Meer.</h4>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2542" title="– und das Meer." src="http://brug-halle.de/wp-content/uploads/03-und-das-meer.jpg" alt="Ph&ouml;nix im Wind." width="520" height="348" /></p>
<p>Ich fahr ja immer die gleiche Richtung, nach Norden. Das Weiteste war bis über Starvanger, Norwegen oben. Ich fahr ja keine Strecken. Ich bin Wanderer, Erkunder. Immer zwischen den Schären, die letzten Ecken. Schöne Ankerstellen suchen. Nicht dass ich sage, ich fahre die Lofoten hoch und fahre drei, vier Tage nachts durch, Anschlag oben und zurück. Ist nicht meine Philosophie.</p>
<p>Unser Segeltour zur Sommersonnenwende, das war kein Unfall, das war höhere Macht und Selbstverschulden. Das war genau fünzig-fünzig. Ich gehe davon aus, wenn die Studenten und Altkameraden, was sie ja nie machen, auf mich gehört hätten, wär nichts passiert. Könnt ich schwören.</p>
<p>Es war ein schöner Tag, relativ wenig Wind. Wir wollten zu uns in den Segelclub nach Rügen segeln, von Wolgast, über den Greifswalder Bodden. Hinten Seil achter aus, Leute sind reingesprungen und haben sich hinterherziehen lassen. Schöne Gammelfahrt. Ich sagte, wir fahren noch nicht in den Hafen, ich kenne drüben noch eine schöne Sandbucht, da machen wir noch bissl Baden. Schönes Wetter. Es war um die Mittagszeit, und jeder hat sein Fressen ausgepackt. Wie das so ist. Auf dem offenen Boot. Warst du mal mit? Das ist schon ganz schön hart auf so einem Segelkutter – einem K10. Mit zehn Leuten auch noch. Oder waren wir gar elf? Jedenfalls waren wir vollbesetzt. Jeder hatten seinen Rotz irgendwo verstaut. Jeder hatte sein Müll, sein Fressen ausgepackt, sein Saufen. Ich guckte dann. Es war bleiernes Wetter geworden. Zwar warm, angenehm, aber leicht bleiern. Nicht strahlender Azuro. Aber auch nicht, dass du sagst, jetzt kommt hinten eine schwarze Wand oder sowas. Da denk ich „Was ist denn da vorne?“ Das Wasser so weiss, die Wasseroberfläche so komisch. Und seh die Bewegung, dass es in unsere Richtung kommt. Da sag ich zum Bernd, der hat immer das Vorsegel gemacht und das Großsegel vorn am Mast, Bernd hatte auch vom Segeln Ahnung. Ich sag „Bernd, mach mal das Großsegel runter.“ „Warum?“ und so. Ich hab gesagt „Ihr Arschlöcher! Macht mal das und das. Macht mal das Fock los und so.“ Keiner hat, jeder hatte sein Fressen gerade. „Hä?“ und so. Das konntest du richtig sehen, wie dieses aufgewühlte, weisse Feld immer näher kam. Anstatt den Großsegelfall hat er noch den falschen Fall abgetüdelt. Eh die das dann runter hatten. Mit den zwei Fallen ist es schon etwas umständlicher. Zum Segelruntermachen gehst du ja in den Wind, damit den Wind vorn hast und du das Segel runter machen kannst, keine Windlast auf dem Segel hast. Und durch dieses ganze Gemehre kamen wir zum Stehen. Richtig wie in Zeitlupe  kam das. Wir standen und die Fock hatten sie so halb unten. Dann hab ich schon gebrüllt, sie sollen endlich ihren Rotz liegen lassen, ihr Fressen. Das war ein kleiner Tornado, eine Windhose. Es hat uns erwischt. Das war gar nicht schlimm. Der Wind hat uns quer zum Wasser hineingedrückt. Da war der Sack der Fock … so richtig schön sanft hat es uns seitlich reingedrückt. Durchgekentert, Kiel oben. Dann kamen die Korken hoch, jeder. Zum Glück. Es ist ja nichts passiert. Als der Tornado durch war, war es eine Sache von einer Minute, zwei Minuten. Dann war die Walze durch und dann war nur normaler Wind. Das Glück war, dass wir mit dem Mast unten im Grund schon staken. Und wir oben drauf. Mit dem Ralf bin ich dann runter unters Boot getaucht um nach unserem Zeug zu schauen. Ich dachte „Ach du Scheisse.“ Jetzt alle Ausweise, Fahrerlaubnis, Schlüssel, das Zeug. Offenes Boot, und umgekippt. In dem Moment. Danach sagt man „logisch“. Es war ja überall Luft drin. Durch dieses schnelle Umkippen waren Lufteinschlüsse zwischen den Klamotten überall. Am Schluss, das Bier war weg und Rotz aus den Fresskisten, aber von persönlichem Zeug, was wichtig ist, war nichts weg. Wir sind dann runter getaucht, haben die Säcke hochgeholt.</p>
<p>Es war Glück, obwohl es peinlich war, aber die haben es im Hafen auch erlebt. Wir waren ja in Sichtweite vom Hafen. Deswegen war es peinlich, aber auch Glück. Bei uns liegt das Rettungsschiff. Die Angler, da waren auch noch andere unterwegs, haben das gemeldet. Dann kam von uns der Horst, der ist in unserem Club. Der Chef der Seerettung … ich komme jetzt nicht auf den Begriff. Das nennt sich nicht Kapitän, — ah ja sondern Vormann. Da kamen sie her zu uns. Sie haben erstmal die Leute geborgen und was wir noch hatten an Schnarch. Jetzt schwammen dort auch die Bodenbretter und solch Zeug. Das hätte er gar nicht gedurft, er hat mir von einem Überlebensanzug, — du warst nass und ein bissl Stress, es waren ja mindestens dreißig Minuten vergangen -, er hat mir so eine Jacke gegeben, damit ich nicht friere. Wir hatten ja nichts an weiter.  Er hat mich zum Glück  wieder aufs Boot gelassen und ist mit den Anderen zum Hafen. Ich bin dann reingesprungen und haben alles aufgesammelt was noch so rumschwamm. Wenn die uns nicht gekannt hätten, solche Faxen machen die nicht. Leute retten und Arschlecken. Dann kam er  zurück und wir haben das Boot aufgerichtet, erstmal gedreht. Eichstrich Wasser nur die 2 Masten schauten raus. Dann hat er uns in Schlepp genommen. Bei uns im Hafen, ich sag ja, eine bessere Stelle hättest du nicht raussuchen können, im Hafen in der Slipp alles klar gemacht. Rundhölzer, damit wir es dann aufrollen können. Du darfst es ja nicht so aufrollen, das zerbricht ja gleich mit der ganzen Last Wasser drin. Das musst du ja vorsichtig machen. Drüben im Rettungsschuppen, hatte die Frau des Vormann schon mit dem Auto die  grosse alte Standschleuder runtergefahren. Heute hast du ja bloss noch die Waschmaschine, sie hat noch eine riesen Schleuder gehabt. Drüben haben sie dann die Klamotten trocken gemacht, alles ausgeschleudert, hinterm Rettungsschuppen ist eine Wiese, Leinen gespannt, alles aufgehangen, Zelte, Schlafsäcke, erstmal das wichtigste, jeder eine Klamottenausrüstung. Dann hat jeder sein Zeug sortiert, seine Ausweise, Streichhölzer dazwischen zum Trocknen. Wie es eben so ist. Er hat dann von seinem Rettungsboot den Schnorchel reingehalten, mit der Pumpe haben wir es dann ausgesaugt. Ja. Abends haben wir dann bei uns im Club ein Bier — naja waren vielleicht ei Paar mehr — getrunken, jeder hatte Abends sein Zelt trocken, seinen Schlafsack trocken und einen Satz trockenen Klamotten. Es war dann den ganzen Nachmittag schönes Wetter.</p>
<p>Der grösste Sackstand beim Kentern war ja das, da gibt es eine schöne Episode, da war das erste mal der Bartsch mit und die Anne, so eine Kleine, nach dem Auftauchen waren sie hinten am Ruderblatt, welches nur mit Stiften eingehakt ist. Der Kutter ist immer mehr weggesunken, weil die Luft ein bissl rausging und wir draufgeklettert sind und immer mehr Zeug draufgehauen haben. Da ist das Ruder hinten raus, es ist aber aus Holz, weil es verkehrt rum war aus den Zapfen raus. Bartsch hält es noch und sagt zur Anne „Brauchen wir das noch?“ Da sagt die Anne „Ich glaub nicht.“ Das Rindvieh lässt das Ruder fallen. Haha. Jetzt kam der Stress, woher ein Ruder kriegen. Es war ja nach der Wende und es gab ein paar Clubs, die Segelkutter hatten. Wir wollten uns erstmal eins borgen und sind ein paar Clubs abgefahren. Aber die hatten alle ihre Kutter schon verschrottet gehabt usw. Und dann wieder das Glück. Es war ja Samstag. Die Werft. Dann ist einer von unseren Club vom Metall aus der Werft rüber und hat die Beschläge geklöppelt und zurecht geschweißt, die anderen Clubkameraden haben aus Brettern ein Ruder gebaut. Wir sind dann Sonntag wieder gesegelt. Als wir zurück sind war wieder ganz schöner Wind. Rudern ist ja Quatsch, du musst ja wieder segeln. Aber ich musste nur ganz leise was sagen … Jedes Kommando wurde sofort ausgeführt. Haha. Wo man sagt, man hat einen Engel … Wir haben dann das Geld zusammengelegt, die haben sich dann noch das Originalruder bauen lassen, unseres war etwas behelfsmässig. Nichts zerbrochen, nichts verloren von dem ganzen Rotz, der zum Boot gehörte, die Ruder, Bodenbretter, alles.</p>
<p>Es lag an uns. Ich sag ja, wenn die gehört hätten, alle die Segel unten gehabt hätten, wär die Böe durchgegangen, es hätte uns ein bissl durchgerüttelt und dann wär es gut gewesen. Es war ja Land zu sehen. Die Doris ist nach dem kentern rüber zur Insel Vilm geschwommen, um Hilfe zu holen. Ich sah dann schon die Reusen, »Da kannst du schon stehen«, habe ich gerufen: „Kannst laufen.“ Sie ist geschwommen, bis sie mit der Brust aufm Boden schliff. Zwei Drittel hätte sie gar nicht mehr schwimmen müssen. Eine bessere Stelle hätten wir uns für diese Faxen nicht raussuchen können. Optimal. Abenteuer,  was man später mal den Enkeln erzählen kann.</p>
<h4>Früher war alles besser – das meiste schon.</h4>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2543" title="Fr&uuml;her war alles besser." src="http://brug-halle.de/wp-content/uploads/04-fruher-war-alles-besser.jpg" alt="–" width="520" height="347" /></p>
<p>Naja, man sagt immer so: Früher war alles besser. In der alten Druckerei »Phönix«, das war schon verschärft. Das hatte auch eine Gemütlichkeit dort. Wir konnten dort den Schlüssel hängen lassen, versteckt im Hausflur. Und draußen hatten wir noch ein Versteck für die Haustüre. Und da war es eigentlich so wie jetzt möglich 24 Stunden, rollende Woche, das ganze Jahr. Was du im Hermes noch mitgekriegt hast. Wie zum Beispiel Monika. Die hat teilweise dort gelebt. Die hatte ihre Kiste mit den Schlüpfern unterm Tisch und hat dort gelebt. So auch Mirijam. Der böse Peter hatte im Phönix ein halbes Jahr dort  gewohnt. In der typischen Couch-Ecke, der Ulf-Ecke, geschlafen. Professor Voigt war eine Vaterfigur vom Typ her.  Da gab es auch viele private Unternehmungen mit dem Alten. Der hat gerne mitgefeiert, war schon sehr persönlich. So was kann man sich heute nicht mehr vorstellen.  Professor Brade war mehr so ein Künstlertyp. Aber auch mit ihm war nicht alles nur »dienstlich«. Das war schon ganz schön intim zum Teil. Zu Voigt war es wirklich eine starke Bindung. Was wir an Spaß und Blödsinn nebenbei gemacht haben ist heute manchmal »Projekt« im Studium.</p>
<p>Die Hochzeit der perfekten Studiumorganisation hatten wir gegen Ende von Brade. Das hast du ja gerade noch miterlebt. Das war bedingt, weil wir in der Kunst den ganzen Unterricht gemacht haben und nur formal im Design waren. Wir haben praktisch die selbe Ausbildung gemacht, wie die Künstler. Da war Zeichnen Pflicht, früher sogar bis ins vierte Studienjahr und das nicht nur so wie — komm rein und freß nen Klos mit -, sondern straffes Programm.</p>
<p>Ganz am Anfang gab es zwei Gruppen. In der Künstlergruppe waren nicht sehr viele, da waren drei Fachbereiche zu sechs bis acht Fachbereiche in der angewandten Gruppe. Wir sollten uns entscheiden, bei welcher Gruppe wir mit zeichnen wollen. Da habe ich zum Alten gesagt »Da sind wir lieber die Schlechten von den Guten, als die Guten von den Schlechten.« Dann sind wir in die Künstlergruppe gegangen.</p>
<p>Du kannst Leute wie Winni sehen, oder Rainer Ehrt, die Wachtel. Da kann man nicht behaupten, dass wir die Schlechten von den Guten waren. Oft war es umgekehrt. Wirklich gute Zeichner sind da rausgekommen. Nicht jeder, aber es war schon möglich. Viele sind von uns auch im ersten/zweiten Studienjahr gewechselt zur Grafik oder Malerei. Leute, die richtig gut waren, hab ich immer beschwatzt, sie sollen lieber nach Leipzig gehen, weil es dort noch fundamentaler war. Hier war das schon ein wenig Provinzmalerei, was sie gemacht haben, dass muss man einfach auch so bösartig sagen. Naja -, Kunst is schen aber schwer und macht oft drecksche Pfoden.</p>
<p>Rainer Ehrt hat mal gesagt, er war froh auf mich gehört zu haben. Er wollte auch in die Grafik gehen. Da hab ich gesagt „Du bist doch bescheuert. Du kannst doch hier bei uns im Fachbereich das Selbe machen.“ Aber du hast hier eine andere Sichtweise auf die Sachen. Durch das Angewandte. Im Nachhinein meinte er, war er froh darüber darauf gehört zu haben. Man hat schon eine andere Sicht auf die Dinge, etwas sachlicher, realistischer. Für was man was macht. Zweckorientierter. Man steht sich nicht ganz so kopflastig im Wege.</p>
<p>Da gab es keinen Burg-Stil. Ich habe das hier nie empfunden, dass es eine Haltung „Voigt“ oder Haltung „Brade“ gab … natürlich sind ein paar dem Brade von der Art her hinterher … aber es war nicht so, dass sowas auch unbedingt von ihm honoriert wurde. Da kannst Du dier mal alte Heftel von uns angucken, wo Bilder vom Plakatwettbewerbe im Auszug vom 1. bis 4. Studienjahr drin sind. Da sieht man wie verschieden es war. Dann kam die Änderung des Lehransatz, weg von einer künstlerischen Gebrauchsgrafik.</p>
<h4>DDR – Gebrauchsgrafik  und Kunst.</h4>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2545" title="01-hochschule-fur-industrielle-formgestaltung" src="http://brug-halle.de/wp-content/uploads/01-hochschule-fur-industrielle-formgestaltung.jpg" alt="Bildungsreise der Hochschule f&uuml;r industrielle Formgestaltung" width="520" height="398" /></p>
<p>Das relativ stark Angewandte in den künstlerischen Richtungen. Malerei – Wandbilder. Im Sinne von Auftragskunst, der Kunst, vor allem der baugebundenen Kunst. Die in der DDR ein bisschen auf die Künstler verteilt wurde, war schön organisiert: So dass du im Jahr ein Monsterwerk hattest, wo du dann dein Fressen, Saufen, Scheißen organisiert hast, und dann konntest du deine Kunst in Ruhe machen. Natürlich ein bisschen pragmatisch. War ja auch so geplant, deswegen die Studienbegrenzung. An der Burg waren, meines Wissens, maximal drei Studenten pro Fachrichtung, wie auch bei uns, in der Sektion Kunst. Das war Struktur, das war vom Staat so vorgeben. Jedenfalls war Professor Voigt mit Erststudent für Gebrauchsgrafik an der Burg, nach dem Krieg. Dann ist es ja ein paar Jahre gegangen, diese angewandte Sache. Es hatte ja im entfernten Sinne mit der Tradition des Bauhaus zu tun, aus diesem Zeitgeist heraus enstand das ja. Es ging nach dem Krieg los, wie es so war, sie sind noch rausgefahren auf die Felder und haben Kartoffeln gestubbelt und gemaust, aber auch gefeiert. Dann war ja Gebrauchsgrafik bis ‚78 wieder geschlossen.</p>
<p>Es gab, auf gut Deutsch, nur drei Hochschulen, die Grafikdesign im näheren und weiteren Sinne ausgebildet haben. Das war Weißensee, das war ja eine Kunst‑…, künstliche Hochschule; die erst im Sozialismus gegründet wurde, in der Hauptstadt der DDR musste ja auch eine Kunsthochschule sein. Dann Leipzig, die ja schon vorm Krieg Akademie war. Da war die Burg, die schon immer n bissl, ich sag mal, Trachtendudel hatte, auch den künstlerischen Trachteldudel, ich sag mal so wie Kunstgewerbeschule.</p>
<p>Dresden war ja reine Malerei, die hatte ja keine Gebrauchsgrafik, deshalb ja nur drei Hochschulen, an denen du Gebrauchsgrafik studieren konntest. Nur bei uns war Gebrauchsgrafik und in Berlin als reine Lehre. In Leipzig, wo ich studiert habe, hieß es Plakatklasse im Studiengang Grafik/Malerei. Als ich angefangen habe, da gab es noch eine Ausstellungsgrafikklasse. Früher mussten Fliegen drei mal vier Meter groß gemalt werden, Ausstellungsgestaltung, per Hand, wie willst du es damals anders machen. Überhaupt in Leipzig, durch die Messe – alle Künstler damals haben dort von der Messe gelebt. In den Messehallen wurde ja alles mit Hand gemacht, große Schriften, Transparente, die ganze Ausmalerei, auf Ständen, wurde alles mit der Hand gemacht. Die Messe wurde auch gut von Westlern besucht. Dadurch haben sie sich die goldene Nase verdient, zweimal im Jahr, Frühjahrsmesse, Herbstmesse.</p>
<p>Vom freier Kunstmarkt konnte keiner leben, bis auf wenige. Die Betriebe hatten eine Art Zwangsfonds, von dem sie Kunst ankaufen mussten. In Buna draussen, irgendwo, in Kellerecken moderte das Zeug, in ihren Gängen war etwas aufgehangen oder bei der Gewerkschaft. Alle Großbetriebe mussten Kunst ankaufen. Patenschaftsvertrag hieß das. Zum Beispiel „der Brigadier“ von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Heisig">Professor Bernhard Heisig.</a> Oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Mattheuer">Professor Mattheuer</a>, „die Ausgezeichnete“. Hofmaler? – ja logisch, zumindest zum Teil. Selbst  <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_T%C3%BCbke">Professor Tübke</a> hat mal eine Kreuzigungsszene mit Bauarbeitern gemacht, in dieser Haltung. Eine Kreuzaufrichtungsszene, wo Bauarbeiter auf einem Gerüst aus … eine wunderbare Sachen … Er hat genau auf der Naht gearbeitet. Das fand ich gut. Der Tübke. Ich hab unter ihm studiert, mehr oder weniger. Als ich angefangen habe, wurde Tübke damals gerade Rektor. Das hat er zwei oder drei Jahre gemacht, dann kam Professor Heisig.</p>
<h4>A Priori</h4>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2546" title="–" src="http://brug-halle.de/wp-content/uploads/06-a-priori.jpg" alt="–" width="520" height="347" /></p>
<p>Für Gebrauchsgrafik, hab ich immer gesagt, muss man nicht Zeichnen können. Wird natürlich bloß albern bei Illustration, wo ich sage, Illustration machen die, die nicht Zeichnen können. So ist es ja. Das ist traurig. Aber als Gebrauchsgrafiker musst du nicht Zeichnen können.</p>
<p>Es geht bei uns um Gestaltung. Ob du die mit A, B und C oder mit ner nackigen Mieze machst, ist scheissegal. Um Gestaltung geht es, um mehr nicht. Und was Gegenstand der Gestaltung ist, ist scheissegal. Du musst nicht Zeichnen können.</p>
<p>Mir muss es nicht gefallen, es muss in sich schlüssig sein, was du machst. Mir muss das doch nicht gefallen, ist doch Quatsch. Das ist doch immer die Gefahr in der Kunst gewesen, dass alle als kleine Meister rauskommen. Entweder sie wurden vom Meister gedrückt, oder sie sind selber, weil sie keine Intuition haben, der Sache hinterhergelaufen.</p>
<p>Talent soll schon sein. Man kann das nicht erzwingen. Man kann vieles mit Fleiß über den Kopf machen, aber irgendwo ist es endlich. Denke ich.</p>
<p>Zum Beispiel Kochen. Zwei Eier kannst du abzählen, hundert Gramm Mehl kannst du abwiegen, was machst du dann bei dem Begriff „eine Prise Salz“? Letztendlich, dazu ist das Studium auch ein bisschen da, um zu schauen, ohne Zwänge, was einem von der Hand geht. Das ist immer das Problem, egal mit welchen Mitteln du arbeitest, ob mit Rechner oder Stift, diese rosa Blase, die dir hinten im Kopf sitzt über den Arm, über die Hand letztendlich rauszukriegen. Diese Blase. Also diese Vorstellung, die du hast, so zu visualisieren, dass der andere sie sieht. Denn der hat deine Vorstellung nicht. Er kriegt nur eine Vorstellung deiner Vorstellung, wenn er es sieht.</p>
<p>Das ist hier kein Laienzirkel. Natürlich hast du hier einen Teil von Stunden, die wie früher die höheren Töchter als Klavierstunden genommen haben bis der Märchenprinz kam, heute ein bissl Kunst machen. Natürlich ist das hier viel einfacher, das zweite Studienjahr zu überstehen, als das Physicum, wenn du Medizin studierst. Wenn die Leute hier schon unter dieser Leistung einknicken und einen Psychater brauchen, „Herr Markert, wir schaffen das nicht.“ Dann sollen sie sich bitte mal im Physicum diese biochemischen Formeln in die Rübe ziehen. Da kannst du nicht wie hier so ein bissl rumeiern, entweder ist das C an der richtigen Stelle oder das H, oder »Auf Wiedersehen«. Bitte schön. Da ist nämlich drei mal drei neun. Bei uns kann durchaus drei mal drei auch sieben und zehn sein.</p>
<p>Auch wenn du Rumpelstielzchen heisst, kommt es immer noch darauf an, was du machst und kannst. Was nützt denn dir der Name. So ein Geaffe. Des Kaisers neue Kleider. Wenn du nichts an hast, wenn du keine Fähigkeiten hast, musst du das mit Getue und Behauptungen machen, dann wird mit solchen Worthülsen geschossen. Die Menschheit ist immer wieder so doof, diesen Dudel, dieser Selbstbeweihräucherung, diesen Schicki-Micki zu glauben. Darum geb ich ehrlich zu, so ein Abend wie gestern, euere »Party« für mich zum »Ende«, ich mach es, aber ich brauche es nicht. Ich mache das in der Gruppe alles mit. Aber dieses Offizielle ist mir ein Horror. Dieses Getue. Der geliebte Verstorbene. Furchtbar ist das. Krudig. Find ich furchtbar. Schon diese Auszeichnungen oder sowas deswegen machen. Die Arschlöcher hätten doch auch alle im Sommer mit nach Hiddensee kommen können, zum Altkameradentreffen mit »Gästen«. Warum sind sie denn heute hierher gekommen. Das verstehe ich nicht. Das ist nicht mein Ding. Geburtstag feiern. Nur weil ich heute bei der Mutti herausgerutscht bin, muss ich nicht Geburtstag feiern. Affig. Sylvester. Heute muss ich fröhlich sein und mir die Rübe zu ziehen nur weil Sylvester ist. Heute muss ich es mir gemütlich machen, weil es Heilige Abend sechzehn Uhr ist. Sowas geht mir ab. Völlig. Noch nie. Ich mache es ja, man ist ja ein soziales Wesen. Aber ich brauche es nicht. Ich lege auf sowas Null wert.</p>
<p>Warum waren die alle bei diesem Treffen und der Feier zu meinen »Ende«? Das hat auch was mit dem Trachtendudel zu tun, den wir gemacht haben. Sauferei, die Bierecke, das Wegfahren, diesen Spass. Dieser selbst gemachte Spass, das fing ja auch bei Euch schon an, Einstandsfeten und sowas. Die Leute sind nicht mehr fähig, Spass selber zu machen. Sondern, Spass wird eingekauft. Du holst eine Band und sowas. Du produzierst keinen Frohsinn mehr selbst, du kaufst Frohsinn ein. Dann stellst du dich hin und sagst „Was ist das für eine Scheisse?“, weil du ihnen das Geld gegeben hast. Ich weiss nicht, ob es bei euch war, es könnte aber ungefähr die Zeit gewesen sein, da war ich zeitig da, zu einer Einstandsfete mit »Gäste« – ganz groß – und sie saßen vorn und haben schon Einlass kassiert, da kamen welche: „Ist hier schon was los?“ Ich sagte: „Los ist hier noch nichts, aber sie sind scharf auf euer Geld.“ Weisst du? Du gehst wohin und fragst: „Ist hier schon was los?“. Ich geh dahin und mach was los – oder bleibe Zuhause.</p>
<p>Naja, heute ist eben doch alles besser – den Schwachsinn in seinen Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.</p>
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